Die Leute von heute?

»Wohlan, mein lieber Freund, wie steht es mit der Diktatur? Ist es nicht so, daß sich die Demokratie selber auflöst durch eine gewisse Unersättlichkeit in der Freiheit?
Wenn sich Väter daran gewöhnen, ihre Kinder einfach gewähren und laufen zu lassen, wie sie wollen, und sich vor ihren erwachsenen Kindern geradezu fürchten, ein Wort zu reden; oder wenn Söhne schon sein wollen wie die Väter, also ihre Eltern weder scheuen noch sich um ihre Worte kümmern, sich nichts mehr sagen lassen wollen, um ja recht erwachsen und selbständig zu erscheinen. Und auch die Lehrer zittern bei solchen Verhältnissen vor ihren Schülern und schmeicheln ihnen lieber, statt sie sicher und mit starker Hand auf einen geraden Weg zu führen, so daß die Schüler sich nichts mehr aus solchen Lehrern machen. Überhaupt sind wir schon so weit, daß sich die Jüngeren den Älteren gleichstellen, ja gegen sie auftreten in Wort und Tat, die Alten aber setzen sich unter die Jungen und suchen sich ihnen gefällig zu machen, indem sie ihre Albernheiten und Ungehörigkeiten übersehen oder gar daran teilnehmen, damit sie ja nicht den Anschein erwecken, als seien sie Spielverderber oder auf Autorität versessen. Auf diese Weise werden die Seele und die Widerstandskraft aller Jungen allmählich mürbe. Sie werden aufsässig und können es schließlich nicht mehr ertragen, wenn man nur ein klein wenig Unterordnung von ihnen verlangt. Am Ende verachten sie dann auch die Gesetze, weil sie niemand und nichts mehr als Herr über sich anerkennen wollen. Und das ist der schöne, jugendfrohe Anfang der Tyrannei.«

Dieses schrieb der griechische Philosoph Platon
in seinem Werk "Politeia" = der Staat (Buch V, 63).
Er lebte von 428 - 348 vor Christi Geburt.
(Figur: Glyptothek München[)


Ikonen-Museum

Zwei Dinge waren für mich als Laie ganz neu:

1.  Bei Ikonen handelt es sich - einfach gesagt - um möglichst genaue Kopien eines Urbildes und

2.  in Recklinghausen befindet sich eines der bedeutendsten Museen zu diesem Thema nördlich der Alpen! Sogar mit entsprechender Forschung.


Es geht also grundsätzlich darum, eine Vorlage zu kopieren, die zum Beispiel die Gottesmutter Maria so zeigt, wie sie ursprünglich ausgesehen haben soll, wie das ursprüngliche Muster sie zeigt. In der spätantiken figürlichen Malerei mit Totenbildnis, Kaiserbildnis und Götterbildnis, so habe ich es verstanden, sind die Urfassungen der Ikonen entstanden.

Zwischen den russisch und den griechisch orthodoxen Glaubensrichtungen zum Beispiel bestehen unterschiedliche Ausgangsbilder, die man vielleicht als »Stilrichtungen« bezeichnen kann. Auch ist das Motiv keineswegs auf Maria mit dem Jesuskind und den beiden Erzengeln festgelegt, es werden überwiegend Christus-Ikonen gemalt und auch Personen aus dem Alten Testament können »zur Ikone« werden. Warum das so ist und es so strenge Vorgaben bei der Ikonenmalerei gibt, beantwortet sich für mich durch den Zweck: es handelt sich für die Besitzer weniger um Kunstgegenstände als vielmehr um Kult- und Heiligen-Bilder! Der Gläubige lässt eine Ikone anfertigen, um sie daheim aufzustellen und sie zu verehren. Meist werden sie mit Kostbarkeiten (Edelsteinen, Gold und Silber) bestückt. So ist auch zu verstehen, dass wenn eine Ikone unansehnlich geworden ist, der Gläubige diese (zum Entsetzen aller Kunstliebhaber und -sammler!) einfach entsorgt und eine neue in Auftrag gibt.

Ich kann sagen, der Besuch des Ikonen-Museums in Recklinghausen, das es seit 1955! gibt, hat sich gelohnt. Heute sehe ich Ikonen mit ganz anderen Augen. Und Ikonen treffen wir auch im christlichen Abendland fortwährend an.

Zuletzt aktualisiert am 02.10.2019

IKONEN-MUSEUM      Wikipedia

 

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Zweifle nicht
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Erich Fried